... Tatort: Hinternaßwald (wo sonst) - wer: Sohn und Vater - wieso eigentlich: wir wollen rauf aufs Habsburghaus - wie: zu Fuß über die Große Gries

Also die Aktion war ja schon alleine von der Idee her ein Wahnsinn. Der Winter war lang und entbehrungsreich, wie wir alle wissen, ned wahr!!!

Genau aus diesem Grund lag da ur viel Schnee herum noch!!! Und das stellte sich so dar, dass ma ab der Habsburghaus-Materialseilbahn, wenn ma das Reißtal reingeht - eh klar, einmal bis zu den Knöcheln im Schnee steht, was sich dann bis zum Einstieg bis zu den Knieen verschärft ab und zu, weil man dann nämlich immer wieder einsinkt, wenn man nicht die Ninja-Leichtmach-Schwebetechnik beherrscht - welche mein Sohn und ich natürlich voll drauf haben - eh klar!!!

Also da stehen wir dann am Einstieg herum und mir kommen die ersten oder dritten Zweifel auf, ob das so weiter gehen möge da rauf!? Diesen Zweifeln arbeiten wir einmal mittels einer Pause entgegen, welche wir auf einem Walrossrücken einlegen, welches dort unter dem ganzen Geröll schläft, wies ausschaut (wir haben nix graucht ghabt, mein Sohn tut sowas nicht :O)

Im Sitzen in der Sonne, auf dem Walrossrücken also, philosophieren wir, ob wir nicht vielleicht den Kaisersteig raufgehen sollten, den natürlich keiner von uns beiden kennt, weil noch nie bestiegen - lassen wir also bleiben.

Nach dieser verdienten Pause gehts also rein zur Großen Gries und dort liegt Schnee - wie erwartet. Das ist aber noch nicht alles, ab diesem Augenblick gehts ungefähr 20 Grad aufwärts, was sich dann zu stolzen 30-35 Grad aufschaukelt (angspürt hat es sich wie 45 Grad in den Oberschenkel!) und die Wand, welche wir dann, kurz vor der Resignation (also eigentlich haben wir nicht resigniert, wir wollten uns nur nicht weiter quälen lassen von dem Sauberg) bestiegen haben, hatte so an die 70 Grad und war so ca. 50 Meter hoch - also eh lustig, weil mein Sohn endlich zeigen konnte was er in der Kletterhalle glernt hat :)

Naja, also wir stapfen da rauf und rauf und immer weiter durch den Schnee und kommen langsam aus dem Wald - und da plötzlich liegt ein totes Tier mit aufgerissener Seite und der Darm liegt daneben *gustig - eine junge Gams. Scheinbar ist das Vieh von der Wand gefallen, welche da seitlich so an die (wos was i, des kann ma so schlecht schätzen - da hat alles so ca. 50 Meter dort :O) also 60 Meter in die Höhe ragt (vielleicht warens auch 70 oder 80, ich hab keinen Schimmer).

Mein Sohn und ich schauen in die leere Augenhöhle des Tieres, in die offene und wunderschön rote Wunde, sehen uns die Knochensplitter, die Därme noch mal genau an und verabschieden uns mit einem herzlichen *pfiatgod* von dem Tier.

Wir hatschen als weiter durch den zwischen knöchel- und hüfttiefen Schnee, uns wird langsam heiß, weil wir ja beide gut ausgerüstet da rauf hatschen, um im Winterlager (saukalter Raum, wo's reinzieht, durch die cm breiten Spalten der sympatischen Metalltür, die eher ausschaut wie der Eingang in eine Schlosserei, drinnen dann feuchte klamme Matratzen, nichts einladendes, ausser uns selber :o)

Wir schwitzen da also so vor uns hin, durch den Schnee einsinkend immer wieder, aber aufwärtsstrebend, da liegt da schon wieder eine Gams ohne Aug (das andere ist uns nicht ersichtlich, weils auf der Seite liegt die Gams und keiner will das Vieh angreifen) - noch eine Selbstmörderin? Oder ist diese Klippe da oben bei Schneelage so übersehbar? Wir werden es nicht erfahren, obwohl wir noch an 2 so toten Tieren vorbeistapfen - einsinkend, eh klar.

Also da stapfen wir dahin, sehen eine Schreamsn (Kante, Ecke A.d.Ü)und freuen uns von dort aus Sicht über das gesamte Geröllfeld zu bekommen, weil wir wissen möchten, ob wir da auch mit Schnee rechnen müssen.

Stapf, sink, hatsch - bis zur Schreamsn - und wir frohlocken quasi innerlich, weils nur halb so schlimm ist, es sind nur mehr (schon wieder schätzen - also sicherlich sind's 50 Meter, aber eigentlich warens dann sicherlich 150 Meter) ca. 150 Meter durchn Schnee zu hatschen und zu sinken - die wir dann so ca. in einer Stund hinter uns bringen (na gehts einmal quasi 45 Grad rauf durch den Schnee, nach dem ihr schon 1 1/2 Stunden durch den Schnee raufghatscht seids!!!), weils halt irre anstrengend ist das ganze. Aber egal, wir schaffen es und gelangen quasi aufs blanke Geröll, welches wir dann sofort wieder verlassen und wieder die dazwischen befindlichen Schneestreifen benutzen, weils einfach gemütlicher ist im Schnee (kann man nur wissen, wenn man Geröll schon mal raufgegangen ist - je grober, desto unangenehmer zum Steigen, je feiner, desto rutschiger) und wir stapfen und sinken und hatschen wieder stundenlang mit Pausen - und freuen uns in den Pausen (die wir da so ca. alle 20 Meter einlegen, weil uns die Pumpn ausse zu springen droht) über das prächtige Wetter und den Anblick des Schneebergs vis a vis, welcher noch viel mehr Schnee trägt quasi.

Endlich gelangen wir zu der schon vorher erwähnten 70 gradigen Wand, welche da vor uns steht, bedrohlich, dunkel, uns fordernd!!! (Bledsinn die war im Sonnenschein, also hell, warm, dafür haben wir aber auch gute 20 Minuten für sie braucht, vielleicht aber auch 30 - keine Ahnung, in den Bergen lässt sich nichts schätzen, da ist alles übermächtig und wir sind klein - amen)

Wir also endlich oben, weil wir da sehen wollen wies weiter ausschaut mit dem Schnee und so - sitzen da also herum, sind vollkommen fertig, mittlerweise sind 5 oder 6 Stunden vergangen (nicht einmal das ist so klar in den Bergen) vom Parkplatz weg - sitzen also da, hochmotiviert, voller Kraft und Elan noch und haun den Hut drauf - weil es wär noch sicherlich eine Stund gwesen, wenn nicht 1 1/2 durch den Schnee, und zwar nicht 30 Grad steil sondern vielleicht nur 20, aber ich kann mich vom letzten mal erinnern, dass es dann vor dem Haus noch ordentlich ansteigt.

Wir hauen also übereinstimmend und wohgelaunt den Hut drauf, saufen das letzte Wasser aus - hängen im Fels herum noch ein bissl und machen uns fertig für den Rückweg, den wir dann zwar nicht über die vorher erklommene Wand antreten, dafür über eine andere, gleich daneben verlaufende, die uns sicherlich wieder 20 Minuten oder 30 gekostet hat. Also nach dieser Wand gings dann dafür gleich wieder in den Schnee und wer das bergablaufen im Geröllhang kennt, kann sich das im Schnee ähnlich vorstellen, ausser der Schnee ist so weich, dass ma dazwischen immer wieder einsinkt, was den Spaß des runterhirschens gewaltig bremst, sich dann aber eh wieder spaßig feiner Geröll dazwischen befindet, auf und durch den man am herrlichsten bergablaufen kann, bis halt wieder der Schnee kommt und ma wieder einsinkt :O)

Wie auch immer, wir legten die Strecke, für die wir vorher 5 Stunden brauchten, in einer halben zurück, hatschten dann den Weg zur Materialseilbahn in unseren eigenen Spuren zurück (komischerweise sanken wir in denen auch wieder ein (ich schließe da also auf eine gehörige Energielosigkeit, welche ninjaartiges Schweben vollkommen unmöglich macht - was wir ja konnten noch beim raufhatschen, aber jetzt eben nit mehr) mit Schuhen bis oben hin voll mit Wasser und landeten dann vollkommen erledigt beim Auto um kurz vor 20 Uhr ca.

Dort war mein erster Griff sofort zum sich im Rucksack und als Gipfelbier angedachten Bier - Talbier also jetzt quasi - musste sofort ein Olivenbrot mit Speck und Käse essen, weil ich an Dehydration und an Verhungerung litt - mein Sohn ordnete nur ein bissl seine Sachen, wechselte die Swimmingpools in trockenes Schuhwerk um und versank sofort in Tiefschlaf da neben mir, der ich dann noch mit guten 160-180 (auch das kann man nach so viel Sauerstoff und übermächtiger Natur) nachhause blies :)