8ung, es ist doch keine kurze Meldung geworden! :)

... ich sitze morgendlich vor meinem Computer und schau mir an was sich im Internet nach der Präsidentschaftswahl so tut.

Da fällt mein Blick auf einen spiegelonline Bericht vom 24.4, welcher von einer "Sensation" und einem "dramatischen Rechtsruck" in Österreich berichtet - in großen Lettern steht da "Sensation" in der Überschrift - quasi wie auf Zirkusplakaten! Na mir fallen einmal die Augen raus, denn ich weiß von keiner Sensation. Und, dass der Rechtsruck hierzulande, wie allerorts auch, zunimmt, stimmt mich natürlich äußerst bedenklich - dramatisch habe ich ihn aber noch nicht gesehen, zumindest nicht dramatischer, als er eben ist, wenn Ausländerhetze, Ab- und Ausgrenzungspolitik und das Ganze auch noch recht(s und) dumm betrieben wird, so wie es die FPÖ tut - ist ja kein Geheimnis, denn sie tut das auch schon recht(s und) lange und wir Österreicher wissen auf was wir uns da einlassen - zumindest "knapp über die Hälfte" weiß es, die andere "knapp unter der Hälfte" scheint es nicht zu wissen. Was ich zwar gschissen finde, aber als dramatisch hätte ich das noch nicht gesehen. Besonders nach der gestrigen Bundespräsidentschaftswahl nicht, die, zwar knapp aber doch der Van der Bellen gewonnen hat - was mich selber sehr glücklich stimmt und ich die Gfrießer vom Strache, Hofer & Co, als ihnen doch noch klar wurde, dass es sich nicht ausgeht, gern gesehen hätte :)

Aber das nur nebenbei, eigentlich geht es ja um den spiegelonline Artikel ...

Die Überschrift, oder eigentlich Unterschrift, weil als Überschrift war zu lesen: "Österreich: Volksparteien zerlegen sich, Rechte triumphieren" - und als Unterschrift, unter einem Bild von Norbert Hofer (da hat er noch gelächelt), stand: "Politische Sensation in Österreich: Erstmals schaffen es weder Sozialdemokraten noch Konservative in die Stichwahl zum Bundespräsidenten. Das Land erlebt einen dramatischen Rechtsruck."

Wow - was für eine Schlagzeile aus dem benachbarten Deutschland vom derzeitigen Spiegel Korrespondenten in Wien Hasnain Kazim, seines Zeichens Oldenburger und Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, Student oder Magister der Politikwissenschaft und Marineoffizier - na da hab ich gschaut! Link zu spiegelonline

Also kann der Mensch so dumm nicht sein denk ich mir und schau mich nach anderen Artikeln von ihm um und stoße auf den Artikel vom 20.05 "Österreichs Präsidentenkandidat Hofer: Der Mann mit der Knarre". Den Artikel ziert ein Bild von Norbert Hofer, der sich gerade das Ohr hält. Zitat aus dem Artikel: "Norbert Hofer trägt gut sitzende Anzüge, Einstecktuch, Manschettenknöpfe zum Hemd - und zur Sicherheit manchmal eine Pistole mit sich. Eine Glock 26, made in Austria." - da war dann von Pistole und nicht mehr von Knarre made in Austria die Rede und den Artikel hat er in Kooperation mit Björn Hengst verzapft. Marineoffiziere, nehme ich an, sind auch berechtigt Knarren zu tragen oder?! Link zu spiegelonline

Und dann schau ich mich weiter um, um einen Artikel nach der Auszählung der Wahlkarten und finde: "Neuer Bundespräsident: Grüner Van der Bellen gewinnt Wahl in Österreich" - ganz normal geschrieben und von Reuters - die eigentliche Sensation bleibt also flach gehalten! Link zu spiegelonline

Daraufhin schreibe ich dem Herrn Kazim ein Mail, weil mir die Art und Weise seiner Formulierungen und die Art von schreierischen Journalismus natürlich nicht gefällt, besonders nicht von einem benachbarten Deutschen mit indisch-pakistanischen Wurzeln, der für den Spiegel schreibt und in dessen Land das Gleiche passiert wie bei uns - ich meine in Deutschland und nicht in Indien und auch nicht in Pakistan, dort passieren andere Dinge!

Ja, in Deutschland, wo Asylantenheime in Brand gesetzt werden und rechtsradikale Personen Demonstrationen veranstalten - cool, oder?

Also schreibe ich, bemüht mich genau und korrekt auszudrücken, was ja immerhin auch Zeit und Geist erfordert, folgendes:

Sehr geehrter Herr Kazim,

Ihr Artikel auf spiegel.de spiegelt die Art und Weise wie schlechter und marktschreierischer Journalismus funktioniert, für welchen der Spiegel ja auch steht.
Weiters spiegelt er Ihre Haltung und die fehlende indisch-pakistanische Denkensart, welche Ihnen scheinbar nicht mitgegeben wurde. Aufgrund ihrer Wurzeln und dem damit verbundenen kulturellen Erbe (vedische Kultur, Hinduismus, Buddhismus) könnten wohlüberlegte und ausgewogene Artikeln entstehen, welche Ihrem Medium zur Ehre reichen würden – leider ist das Gegenteil der Fall.
Ich möchte in meine Kritik den Artikel von Ihnen über Norbert Hofer vom 20.05 ebenfalls miteinbeziehen – der Mann mit der Knarre, gleiche Handschrift.

Mag es der deutsche oder militärische Einfluss gewesen sein, der sie in diese polarisierende Richtung gedrängt hat, möglicherweise aber auch radikaler indisch-pakistanischer …

Der Ausdruck Sensation, aus dem Lateinischen sensus - Gefühl, Verstand – in Ihrer Überschrift ist vollkommen falsch gewählt, da eine Sensation erst durch die Wahrnehmung und die davor stattfindende Verbreitung durch Medien zur Sensation wird.
Die Aussage, dass unser Land einen dramatischen Rechtsruck erlebt, ist soweit richtig, soweit sie im Zusammenhang der momentanen politischen Situation in Europa gesehen wird. Allerdings ist sie in keiner Weise in dieser Art auf Österreich zu beziehen! Einen dramatischen Rechtsruck beziehe ich, wie Sie selber auch, z.B. auf Ungarn und Polen. Dort werden und wurden Gesetze so verändert, dass es wenigen MachthaberInnen möglich ist manipulativ in ein mehr oder weniger vorhandenes Rechtssystem einzugreifen. Wie würden Sie diesen dramatischen Rechtsruck bezüglich dieser beiden Länder definieren – gibt es nach „dramatischen Rechtsruck“ noch eine Steigerungsform?

Wie Sie am Ausgang der Wahl erkennen können ist die, zugegebener Weise, knappe Mehrheit der Österreicher noch immer in der Lage richtig entscheiden zu können. Ihrer Art zu schreiben und Informationen in „Ihrem“ Medium zu verbreiten also vollkommen fehl am Platz, zumindest was Österreich betrifft. Wir werden sehen was sich bei der nächsten Landtagswahl ergibt. Diese liegt allerdings in der Zukunft und momentan bin ich sehr glücklich, dass Norbert Hofer nicht Österreichs Bundespräsident ist!

Der gestern verfasste Artikel über den Ausgang der Wahl scheint ohne Angabe des Verfassers auf. Und nach dem der Artikel weniger „reißerisch“ formuliert wurde gehe ich davon aus, dass sie nicht der Verfasser waren. Unverständlich ist mir hier, dass der Rechtsruck im ersten Fall „die Sensation“ darstellt, der reale Ausgang aber nicht, wobei hier eher von Gefühl und Verstand die Rede sein muss, also von einer echten Sensation!

Falls Sie meinen Unmut nicht verstehen, dann versuchen Sie sich bitte im Klaren zu sein, dass journalistische Arbeit und deren Veröffentlichung Menschen und deren Denken beeinflusst. Medien haben großen Anteil an der Meinungsbildung, wie z.B. auch von FPÖ WählerInnen, und dadurch auch am momentanen Rechtsruck, welchem Europa gerade unterliegt. Am Beispiel der FPÖ wurde von dieser, wie auch von anderen Parteien in Ihrem Land, das Asylthema dazu verwendet etwas weniger tiefdenkende StaatsbürgerInnen in Angst und Schrecken zu versetzen, obwohl die Auswirkungen hier in Österreich doch recht überschaubar waren, und diese Angst und der Schrecken sie dazu veranlasst hat lauthals für die Änderung der politischen Richtung zu plädieren, was sich in den Wahlen wiederspiegelt – Änderung um jeden Preis quasi!

Wozu am Ende des Artikels vom 24.04 die Umfrage „Sieg der Rechtspopulisten – Naht das Ende der Volkspartei“ zu sehen ist entzieht sich meinem Verständnis. Falls Sie damit ein Bild von der Meinung der Bevölkerung erhalten wollen, dann sollten Sie sich ebenfalls im Klaren sein, dass Ihr Medium, wie auch viele andere, großen Anteil an dieser Meinungsbildung haben und nur diese hier wiedergespiegelt wird – das ist also eine recht narzisstische Umfrage. Der Spiegel kann mit ihr max. überprüfen, ob der Journalismus, der von ihm betrieben wird, in die von ihm vorgegebene Richtung geht – möglicherweise wird das von Ihnen aber nicht erkannt.

Schlussendlich empfehle ich Ihnen, auch aufgrund Ihrer Wurzeln, das Buch „Autobiographie eines Yogi“ zu lesen, welches wunderbare Erzählungen enthält, die man glauben mag oder nicht. Die Kernaussage darin ist aber immer – geh in dich, glaube an etwas höheres, versuche dich von deinen irdischen Zwängen zu befreien, Manipulation seiner selbst sowie anderer macht nicht glücklich …

Hochachtungsvoll – Marco Arcangeli

... und schick sie ab.

8 Minuten später die Antwort von Herrn Kazim:

Lieber Herr Arcangeli,

ich habe die ersten zwei Sätze gelesen und abgebrochen. Wenn Sie zu mehr Respekt und angemessenem Ton (zurück-?)finden, schreiben Sie gerne noch einmal, dann lese ich Ihre Zuschrift.

Viele Grüße
H. K.

... ich - ahaaaa und schreibe:

… dann mit den Worten anderer:

„Du begegnest deinem Schicksal meistens auf dem Weg, auf dem du ihm zu entweichen suchst“
Aus dem Tourenbuch von Albert Precht

Und

„Was man an Würde und Unwürde tatsächlich hat, das blickt aus dem Spiegel der Mitwelt, denn die Würde ist ein Wert, der vom Markte des Lebens bestimmt wird. Firnis wirft falsche Lichter. Achtung ist was man genießt, und nicht, was man von sich gibt.“
Willi Rickmer Rickmers 1930

… und Erwartungen in andere zu legen macht wenig Sinn – das steht auch in dem von mir empfohlenem Buch. Man stellt sich den Dingen, weil’s Sinn hat, dass sie auf einen zukommen, sonst würden sie nicht auf einen zukommen!

Hochachtungsvoll - Arcangeli

und noch eine:

… ajo, und ich bin nicht lieb …

Wie kann man bitte ein Mail mit "Lieber Herr Arcangeli" beginnen und die Kommunikation dann abbrechen und sich mit "Viele Grüße" verabschieden - da stimmt doch etwas nicht. Ich komm mir auch nicht respektiert vor, erwart es aber auch nicht von ihm. Außerdem kennt er mich ja gar nicht, wie soll er mich, oder wie soll ich ihn respektieren, ohne etwas vom anderen zu wissen!? Und dass sein Respekt den Menschen gegenüber aufgesetzt ist, das sieht man an seinen Überschriften.

Geht ja nicht, dass er mir jetzt mit Respekt und Ton kommt, nach dem er selber ein Schreihals sondergleichen ist, oder? Zusätzlich entzieht er sich noch meinen wohlüberlegten Argumenten, schätzt weder meinen Zeitaufwand noch meine wohlmeinende Kritik und zieht gleichzeitig einen Schlussstrich. Scheinbar weiß er, dass ich ihm gegenüber weder mit Respekt noch in anderem Ton reagieren werde - womit er auch recht behält!

Ja das war die Kommunikation, meine erste übrigens, mit einem Journalisten, weil mir das Gesöcks und die Art dessen, fürchterlich auf den Arsch geht, was er natürlich nicht versteht. Er ja nur in der Art und Weise agiert wie es von einem Journalisten vom Spiegel verlangt wird.

Jetzt könnte sich vielleicht jemand denken "herst, hat der Marco nichts anderes zu tun"?

Und da antworte ich: naja, hätte ich schon! Ich könnte mein Motorrad reinigen, die Schwinge ausbauen, um die zwei Dichtungsringe einzubauen oder die Kofferhalterungen abbauen, um sie schweißen zu lassen, ich könnte klettern gehen oder jemanden treffen und ein lustiges Gespräch führen, ich könnte in die Arbeit fahren und die Windows 10 Umstellung vorantreiben - tatsächlich sitze ich gerade hier und installiere auf einem neuen Notebook Windows 10 Pro, weil das auch getan werden muss - ja, ich könnte recht viel tun! Mir war aber wichtig diesem Menschen meine Meinung als Österreicher mit italienischen Wurzeln über seine Meinung als deutscher Journalist mit indisch-pakistanischen Wurzeln zukommen zu lassen. Ich glaub das ist er ja gar nicht gewohnt in dieser Art und darum hat er sofort die Jalousien herunterlassen! Oder tut er es, weil er es doch gewohnt ist und sich dessen nicht mehr aussetzen will/kann? Wahrscheinlich muss er sich auf den nächsten Artikel mit marktschreierischen Über- und Unterschriften konzentrieren und seine, für den Spiegel und das deutsche Volk wichtige, Meinung wiedergeben. 

Amen