Der Begriff der Muse, wie er hier gebraucht wird, bedeutet nicht einfach Trägheit oder Ruhe. Gemeint ist hier vielmehr die nichtproduktive Verwendung der Zeit. Nun spielt sich aber nicht das ganze Leben eines müßigen Herrn in Gegenwart von Zeugen ab die dieses Schauspiel ehrenvoller Muse, Ideal und Ziel des vornehmen Lebens, beeindrucken soll, Zu bestimmten Zeiten bleibt sein Leben zwangsläufig den Augen der Öffentlichkeit verborgen und diese Augenblicke privaten Daseins müssen nun um des guten Ansehens Willen überzeugend erklärt werden. Er muss also Wege finden um zu beweisen, dass er auch fern von den Augen etwaiger Beobachter den Müßiggang pflegt. Dies ist nur möglich, wenn er irgendwelche konkreten und dauerhaften Ergebnisse der allein verbrachten müßigen Stunden vorweisen kann. Derartige Beweise sind z.B. quasi gelehrte und quasi künstlerische Werke sowie die Kenntnis von Erscheinungen und Vorfällen die nicht unmittelbar zur Förderung des Lebens beitragen. Dazu gehört unter anderem in unseren Tagen die Kenntnis toter Sprachen oder der okkulten Wissenschaften, eine fehlerfreie Orthographie, die Beherrschung von Grammatik und Versmaßen, die Hausmusik und andere häusliche Künste ...


von Thorstein Veblen