... ich habe wieder etwas gelernt!

Möglicherweise wusste ich es aber schon und mir war es im Bezug auf ehrenamtlich tätige Menschen in Vereinen noch nicht bewusst.

Aber wieso sollte der Tatendrang der Menschen in einem Verein auch anders gelagert sein als z.B. in der Privatwirtschaft, in der ja auch viele und immer mehr Menschen Jobs annehmen, durch die sie ihr Leben finanziell nicht bestreiten können, aufgrund unserer Konditionierung aber zumindest ihr Seelenheil finden, weil Menschen die arbeiten ein anderes Image genießen in unserer Gesellschaft, wertvollere Mitglieder der Gesellschaft sind quasi - auch wenn sie in finanzieller Hinsicht zu wenig verdienen im Job, doch möglicherweise Anerkennung bekommen und sich durch das Arbeiten wohler fühlen, aufgrund unserer oben erwähnten Konditionierung.

Dass mit dieser Tatsache in Vereinen ja sogar offiziell gedealt wird, wurde mir erst jetzt bewusst und dass das Selbstverständnis, weil offiziell und anerkannt, nochmal anderes ist als in der Privatwirtschaft, dort wird ausgenützt und geschwiegen, weil der Mensch eben etwas tun will/muss - und er darum auch zu minderen Konditionen arbeitet.

In Vereinen hingegen wird mit diese Tatsache ganz offiziell und um einiges bewusster umgegangen - die Bezeichnung lautet "Ehrenamt" und man darf sich, laut Verein, glücklich schätzen dazugehören zu dürfen - man dient dem Wohle des Vereins und den Themen für die der Verein steht.

Dass da aber genauso wie in der Privatwirtschaft mit Geld umgegangen wird, es einige wenige fixe Personen im Verein gibt, die die Strippen ziehen und verdienen, der Verein in seinem Bestand vom Wechsel seiner Mitglieder unabhängig ist (da haben wir's wieder und jetzt macht es ja noch mehr Sinn), legt nahe, dass es Vereinen ab einer gewissen Größenordnung in keiner Weise mehr um das einzelne Mitglied geht, sondern eher um das Funktionieren der Abläufe und um wirtschaftliche Faktoren.

Natürlich geht es hier nicht mehr nur um alpine Vereine, es geht z.B. um den Verein UEFA, der in der Schweiz angesiedelt ist (warum wohl?), den ÖAMTC oder das Rote Kreuz, allesamt Vereine.

Dieses Selbstverständnis habe ich jetzt kennen gelernt und sehe aufgrund der Größe eines Vereins genau aus diesem Grund, der Größe, resultierende Probleme. Je größer der Verein, desto mehr "Macht" hat er, Anerkennung in der Wirtschaft, Verknüpfungen zu wirtschaftlich tätigen Betrieben.

Warum dann aber nicht auch gleich Beziehungen zu Bergsportgeschäften geknüpft werden in denen Mitglieder günstiger einkaufen können versteh ich schon wieder nicht - keine Kooperation zwischen Bergsportgeschäften und Gebirgsverein z.B..

In diesem Sinne ist die Organisationsform Verein nichts mehr anderes als eine Firma, anders als eine GmbH oder KG, rechtlich gesehen anders aufgebaut mit anderen Vorgaben, muss aber wirtschaftlich geführt werden und unterliegt wie andere wirtschaftliche Organisationen den Regeln der Wirtschaft.

Was wunderts mich also, dass dort auch so mit den Menschen umgegangen wird, mit den dort arbeitenden (wahrscheinlich) und mit den Ehrenamtlichen!?

Die dort arbeitenden Personen müssen auf den Gewinn achten. Dabei hat sich sicherlich, wie in der Privatwirtschaft auch, schon der eine oder andere überfordert (Burnout oder sonstige Verschleißerscheinungen) und die Ehrenamtlichen sind billige Arbeitskräfte. Parallel dazu in der Privatwirtschaft, seit der Öffnung der Grenzen, der Wirtschaft der Pool an NiedriglohnarbeiterInnen zur Verfügung steht, auch in der Vergangenheit schon mit ausländischen, weniger gut bezahlten Arbeitskräften, zur Verfügung stand.

Wir schreiben hier also von Kapitalismus reinster Sorte!

Und ich wundere mich wieso der Gebirgsverein so agiert wie er agiert - das Selbstverständnis war mir neu!

Kann man jetzt also weitere Parallelen zur Privatwirtschaft ziehen und darüber nachdenken, ob ein alpiner Verein, so wie viele andere Unternehmen, Wünsche der Menschen durch produzieren von, im Falle alpiner Vereine, Kursen erst den Wunsch im Menschen erweckt solchen Kursen nachzugehen, so wie z.B. Samsung oder Apple durch immer neue und ausgefeiltere Produkte und neunen Möglichkeiten den Wunsch im Menschen weckt diese Produkte besitzen zu wollen, wobei sie den Wunsch bevor das Produkt auf den Markt kam nicht hatten!

Ist der Klettertrend der letzten 10 Jahre gesteuert? Oder eine Mischung aus Befriedigung der Nachfrage und Überlebensstrategie der Vereine - wird wahrscheinlich beides sein.

Als Beispiel seien der Ausbau der Bergbahnen oder der Klettersteige erwähnt. Damit es Menschen, welche weniger versiert sind im Klettern, möglich wird Wände zu erklimmen werden immer mehr Klettersteige gebaut. Und wer sich schon einmal so einen Klettersteig, ich mein da nicht den Haidsteig, der ist lieb und schon alt, sondern z.B. den Johann Klettersteig, angeschaut hat - versteht was ich meine. Wer das nicht versteht hat meines Erachtens ein Problem mit Sensibilität für die Natur und wahrscheinlich auch für sich selber.

Den Kapitalismus werden wir nicht mehr ändern können - der muss sich selber auffressen - hoffentlich nicht auch uns!

Aber die Anerkennung von ehrenamtlicher Tätigkeit, die kann gefordert werden - passiert ja noch nicht viel aufgrund einer Vorderung. Ganz unmenschlich ist es aber, wenn damit kalkuliert wird, um auf Umsatzzahlen zu kommen!

Interessieren würde mich die Gegenüberstellung von Einnahmen in alpinen Vereinen, welche durch ehrenamtliche Tätigkeiten zustande kommt (ich geh da auch von Ersparnissen für den Verein aus - siehe z.B. Wegenetz, welches von Ehrenamtlichen in Schuß gehalten werden eventuell) gegenüber den Einnahmen, die durch Kurse und bezahlten KursleiterInnen eingenommen wird.

Ich bin mir sicher, dass ohne ehrenamtliche Tätigkeit kein alpiner Verein dieser Welt überleben könnte - aber ist ihm das noch bewusst, wird das auch so transportiert, kommuniziert und wird den Ehrenamtlichen der Platz eingeräumt den sie sich "verdient" haben?

Hier gilt wahrscheinlich das selbe wie in der Privatwirtschaft, "wo kein Kläger auch kein Richter" und wenn die Menschen, Mitglieder, eines Vereins so mit sich verfahren lassen - selber schuld!

Fragen über Fragen :)

NPO in Österreich - von 2012

PS: darum sind mir Vereine unheimlich und darum gibt's keine Touren mehr von mir - weil es keine Wertschätzung gibt von der Seite des Vereins!