Die Route Dawn Wall am El Capitan wurde in 19 Tagen von Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson bezwungen – starke Leistung!

Das ist eine Kletterei von 32 Seillängen im 6 bis 11 Schwierigkeitsgrad.

Möglicherweise versteh ich viel nicht auf dieser Welt und bin vielleicht auch niemals in der Lage über den 7 UIAA Schwierigkeitsgrad hinaus zu kommen – im Moment ist meine Bestleistung ein 7- UIAA. Ich hab aber diesbezüglich auch keine dringenden Ambitionen, nachdem ich maximal einmal pro Woche in der Kletterhalle bin, möglicherweise zweimal in der Woche am Fels klettere.

Ich beobachte und betreibe die Kletterei jetzt seit ca. 4-5 Jahren und bin jetzt quasi 50. Das bedeutet scheinbar, dass ich meine Ziele nicht mehr im Erreichen der schwierigen Schwierigkeiten suche, so wie es jüngere Kletterer oder Kletterinnen tun, was aber auch niemals das war, was ich, egal in welchem Sport, erreichen wollte.

Wir können seit dem 1900 Jahrhundert auf Klettergrößen zurückblicken.

Angefangen hat „die Kletterei“, in unserem Breitengrad, mit englischen Touristen, die um die Mitte des 19. Jahrhundert in den Alpenraum kamen, „Locals“ anwarben und mit diesen die Alpengipfel bestiegen, welche danach ihren Namen trugen.

Möglicherweise verallgemeinere ich jetzt und sehe das alles zu einfach. Mittels Bücher habe ich versucht mir einen Einblick von dem damaligen Geschehen zu machen. Mittels alten Büchern, die mir einen Eindruck von den Menschen geben konnten, von ihrer Lebensweise, ihrem Hintergrund, ihrer Motivation, ihrem Geschick und ihrer Technik – heutige Bücher vermitteln das nicht mehr in dieser Art.

Das, was ich aus diesen Büchern herauslesen konnte war, dass es schon vor 1900 Menschen gab, die den 6. Schwierigkeitsgrad, auf heute umgelegt, meiner Meinung nach schon am 7. Schwierigkeitsgrad gekratzt haben oder diesen beherrschten, im Auf- und Abstieg – mit einem Hanfseil gesichert, wenn überhaupt.

Das ist ein Zeitraum von ca. 130 oder 140 Jahren bis heute.

Diese Menschen kletterten barfuß, in Socken, mit genagelten Schuhen, mit Hanf- oder Lederschuhen, mit Hanfseil, Hut und Kordhosen.

Ich schätze die Leistung der vorpreschenden englischen Aristokraten, welche in der Mitte des 19. Jahrhunderts Zeit und Mittel hatten diese Unternehmungen durchzuführen. Allerdings würde ich, aufgrund der Leistung der „Locals“, manchen Gipfel umbenennen, ohne diese der Gipfel wohl nie erreicht worden wäre – englisch hin oder her,

Und jetzt schreiben wir das 21. Jahrhundert.

Der 11. Schwierigkeitsgrad wurde erklettert, Nord- und Eiswände von unvorstellbaren Dimensionen. Von Reinhold Messner über die Huberbuam bis David Lama wurden unglaubliche Leistungen vollbracht. Was ich auch anerkennen kann.

Aus irgendeinem Grund kam mir beim Lesen des Artikels über die Dawn Wall Route der Gedanke – wofür?

Barack Obama gratuliert ihnen via Twitter „Diese Männer erinnern uns daran, dass alles möglich ist“ – yes we can? Aber why und wofür?

Mir ist der Gedanke „was möglich ist wird getan“ aus diversen Medien bekannt – so wird es wohl sein.

Uli Steck „the swiss machine“, der wohl berühmteste Solokletterer, ist meist alleine unterwegs, in Dimensionen und Zeiten, die schon rein gedanklich nicht nachvollziehbar sind, für mich.

Menschen strengen sich an, um Leistungen zu vollbringen, deren Nachhaltigkeit ich mittlerweile anzweifle. Für mich stellt sich schon immer wieder die Frage wozu das Ganze?

Ich habe mit meinem Sohn zu klettern angefangen, weil ich gerne mit ihm zusammen bin, genauso, wie mit alle anderen KletterpartnerInnen, mit denen ich die eine oder andere Tour unternommen habe. Weil mir das gemeinsame Tun in der Natur gefällt. Dabei bin ich Routen im 4. Schwierigkeitsgrad so oft geklettert, bis sie mir zum Hals rausgehängt sind, weil der oder die KletterpartnerIn noch nicht mehr leisten konnten, was mich schon auch ein wenig nervös gemacht hat mit der Zeit. Ich schreibe aber von einem Zeitraum von ca. 3 Jahren, in dem ich diese Routen mit diesen Menschen begangen bin, im Endeffekt, weil ich mit diesen Menschen diese Unternehmungen unternehmen wollte. Mit diesen Menschen!

Das Bestreben war nicht mir Menschen zu suchen die besser klettern konnten, damit ich schneller besser werden konnte. Ich habe auch niemals den Eigensinn besessen, wie ein Alexander Huber in seinem Buch „Angst“ beschreibt, dass man, um solche Leistungen zu vollbringen, eigensinnig agieren muss. Möglicherweise recht einsam agieren muss, um diese Leistungen zu vollbringen. Und Gipfeln waren mir onehin immer recht egal - da bin ich dann oben und dann?

Was ich mir wünschen würde ist ein Buch von Spitzenbergsteigern, die über ihre liebsten TourenpartnerInnen schreiben, schreiben wieso sie mit diesen klettern und kletterten, aus welchen Beweggründen mit diesen Menschen, wieso gerade mit diesen und was deren Qualität ausmacht.

Im Moment kommen mir diese Spitzensportler des Kletterns recht einsam vor, wobei die Leistung in der Dawn Wall keine einsame Geschichte war. Da hingen links, rechts, oben und unten noch andere Kletterer in der Wand und filmten, neben dem sie mithalfen diese Leistung zu vollbringen, indem sie Lebensmittel und sonstiges zu den Kletterern brachten, quasi diese beiden Kletterer als Anlass nahmen, um selber zu klettern, so wie viele Kletterer Spitzensportler in diesem Bereich zum Anlass nehmen, um selber zu klettern – Vorbilder und deren Leistungen.

Nur wofür?

Mir kam auch der Gedanke, wenn Energie und Mitteln, welche in solche Unternehmungen investiert werden, um, auf den Himalaya zu kommen, muss ein Bergsteiger um die 40.000 Dollar bezahlen und wochen- bis monatelang an diesem Berg sein, bis sich ein geeignetes Wetterfenster aufmacht für den Gipfelsturm, anders verwendet werden würden …

Nur wofür?

Menschen sterben in 7000 oder 8000 m Höhe, ob Bergsteiger oder Sherpas. Sherpas, ohne deren Leistung manch Himalaya-Besteigung in keiner Weise möglich wäre.

Na schau ma mal wie viele weiterhin auf diesen Berg „pilgern“, weil ihnen scheinbar langweilig ist und sie nicht wissen was sie mit ihrer Energie und ihrem Geld machen sollen. Schauen wir einmal, wie lange die Schlange am Fixseil im Flaschenhals, unterhalb eines mächtigen Séracs werden kann. Blinde und Menschen ohne Beine versuchen sich an diesem Berg?!

Nur wofür?

Da war mir der Bericht über David Lama, wie er fischen war in Kanada beim Filmfestival in Banff und dass es ihn ein bissal gerissen hat, wenn ein Fisch anbeißt, echt sympathisch!

Wohin wollen diese Spitzensportler und wofür wollen sie dorthin, wohin sie unterwegs sind? Wohin sind die eigentlich unterwegs? Brauchen sie diese Taten, um zu sich selber zu finden wirklich?

Dass damit Geld gemacht wird, vieles von Sponsoren abhängt, Medien die Grundlage zur Existenz gegeben wird oder Spitzensportlern durch die Medien Grundlage zur Existenz gegeben wird ist klar – das eine bedingt das andere.

Schau ma mal!