... gestern bei der Haltestelle eine größere Ansammlung von Menschen, ich beschliesse auf den nächsten 43er zu warten. Wie ich mir das also so vorgestellt habe quetscht sich die Menge in die Bimm ... "Liebe Fahrgäste ..." höre ich da von draussen. Dann geht die Türe doch zu und die Ganitur rauscht ab, die nächste Ganitur ein. Ich froh über meine Geduld ergattere einen Sitzplatz und los geht's - ohne "Liebe Fahrgäste ...". Zwei Stationen weiter die ernüchternde Meldung "Liebe Fahrgäste, wir haben unser Ziel erreicht ...". Na super, alle Verwirrten steigen wieder aus, ein paar Verwirrte wollen auch einsteigen. Ok, warten wir also wieder, wieder eine größere Menge. Die nächste Ganitur rauscht ein, eine alte, und alle quetschen sich wieder rein. "Lieber Fahrgäste ..." tönt es aus den Lautsprechern und dann fahren wir los.

Ich hab noch Glück, um mich ist noch ein wenig Raum zum Atmen. Das ändert sich aber in der nächsten Station. Unbschwerte junge Menschen drängen in den Wagon, als würde Straßenbahnfahren ihr Hobby sein,drängen sie sich rein und an mich und ich mich gegen sie und sie sich gegen mich und ich weich abrupt zurück und da merkt der eine Dränger, dass ich damit nicht einverstanden bin scheinbar und ich frag ihn auch noch "alles ok?", mit schärferen Ton, auf dass er dann das Drängen unterlässt und ich mehr oder weniger unbedrängt mein Ziel erreiche.

Können wir also davon ausgehen, dass sich in die Straßenbahn pferchen zum Hobby werden kann und jeglicher Abstand zum Mitfahrere auf ein Minimum schrumpft, es also usus ist Körperkontakt zu wildfremden Personen herzustellen?

Dass der Mensch eine Aura hat, welche über die körperlichen Grenzen hinausreicht scheint nicht jedem Menschen klar zu sein. Und dass es einfach unangenehm ist zusammengepfercht mit anderen Wildfremden zur Arbeit zu fahren, wohin sonst?, denn nur, wenn jemand zur Arbeit fährt tut er sich sowas an. scheint nicht für alle Menschen zu gelten.

Und dass dann natürlich die Türen nicht gleich zugehen, wegen Lichtschranke, bis sich die Drängenden aus dessen Licht gedrängt haben und die Tür dann doch zugeht und das zieht wieder ein "Liebe Fahrgäste ...", wenn es bei einem bleiben würde, mit sich - ist eine logishce Konsequenz.

Irgendein Geheimdienst hat glaube ich die Foltermethode des steten Tropfens benutzt, um Gefangene, wahrscheinlich Terroristen, gefügig zu machen - so komm ich mir dann in dieser Enge vor, wenn dann das "Liebe Fahrgäste ..." erschallt. Die Stimme engelsgleich, mehrmals hintereinander losgelassen Folter.

Und wenn ich dann die andere Richtung einschlage, also den Heimweg, dann komm ich gerade die Treppe herauf und seh da einen 43er stehen, wobei das nicht immer gleich erkenntlich ist, ob 43er oder 44er, weil in der Biegung des Schottentors die Anzeige nicht immer gleich ersichtlich ist und kaum schau ich zu lange ist die Tür, der fast leeren Bimm, schon zu und lässt sich nicht mehr öffnen. Weiter hinten ist noch eine Türe, die vom eifrigen Türschließer (Fahrer), weil er ja sein 3 Minuten Intervall einhalten muss, noch nicht geschlossen wedern konnte. Und kaum bin ich bei dieser Türe, ist auch diese zu und eine tausendstel Sekunde später zischt die fast leere Bimm in Richtung Heimat davon und ich schau ihr nach .... dann schau ich auf die Anzeige wann denn die nächste kommt, da steht dann je nach dem eine bis 4 Minuten, die das GPS aber sicherlich auf eine bis 6 Minuten ausdehnt und dann sind da schon wieder einige Fahrgäste mehr und die Bimm kommt und alle drängen sich wieder rein, weil die Lektion der geschlossenen Türen wirkt ungemein auf die Psyche der Passagiere und dann erschallt wieder das "Liebe Fahrgäste, sie verhindern die Abfahrt ...".

Und es wundert mich dann auch nicht, wenn der Aggressionspegel bei so manchen MitfahrerInnen steigt und sie den oder die Fahrerin angreifen wollen und die sich dann durch abgetrennte Führerkabinen sicherer fühlen - wofür ja auch gestreikt wird scheinbar.

Angenehm ist es dannn auch noch, nach ein wenig Drängerei oder Straßenbahnen, die ohne mir in die Heimat zischen, wenn deutsch- oder anderssprachige Passagiere lautstark mit ihrem Handy kommunizieren, als gäbe es keine anderen Menschen um sie

Da kann ich nur sagen, dass ich froh bin, trotz Jahreskarte auch noch Radfahrer zu sein ...